Inside RNF

In eigener Sache: Wie RNF in Zeiten des #Coronavirus produziert

24.03.2020 20:12:12 / by Ralph Kühnl

Fernsehen ist Teamarbeit. Spezialisten unterschiedlicher Disziplinen arbeiten zusammen, um das beste journalistische Ergebnis zu erzielen: Redakteure, Kameraleute, Cutter, Grafiker, Bildmischer, Disponenten, Produktionsleiter, Sendeabwicklung, Vertrieb. Und noch so einige mehr. Die Mitglieder dieses Teams arbeiten eng und lange zusammen, es wird ständig kommuniziert und abgestimmt, in größeren und kleineren Gruppen. Normalerweise. Doch seit Corona ist nichts mehr normal.

Von Ralph Kühnl, Geschäftsführer Rhein-Neckar-Fernsehen

Gerade in einer Phase, in der unsere Inhalte von Zuschauern und Usern noch häufiger als sonst nachgefragt sind und in der die Umstände dem Team die volle Aufmerksamkeit abfordern, folgen selbstverständlich auch wir den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts: Abstand halten, um die Kurve der Neuinfektionen durch das Coronavirus flach zu halten. Wir haben das Team auseinandergezogen, heimische Wohnungen zu dezentralen Produktionsstudios umfunktioniert. Unsere Präsenzkonferenzen, an denen bis zu 20 Personen teilnehmen, finden nun per Google Hangout statt.

 

Grossraum

 

Das Großraumbüro der Redaktion - ausgestorben. Die Mitarbeiter arbeiten prophylaktisch dezentral zu Hause.

Was wir uns in diesen Zeiten nicht leisten können, ist, dass einer oder mehrere Mitarbeiter*innen als corona-positiv getestet und ihre Kontaktpersonen, also auch Kolleginnen und Kollegen, durch das Gesundheitsamt in häusliche Quarantäne abgeordnet würden. Dazu ist unser Team zu klein - unsere journalistische Berichterstattung wäre nicht mehr gewährleistet. Also haben wir vorgesorgt und arbeiten dezentral. Reporter müssen in der Lage sein, auf die Straße zu gehen und jene Geschichten zu recherchieren und Interviews zu führen, die unsere Zuschauer und User in diesen Zeiten von uns erwarten.

Das hat allerdings Folgen: Wir haben unsere Kameras, die normalerweise dem Personalpool insgesamt zur Verfügung stehen, desinfiziert und einzelnen Reporter*innen persönlich zugeordnet. Wir haben nicht für alle Mitarbeiter*innen komplette Ausrüstungen, also müssen wir uns behelfen: iPhones und Notebooks, auch aus privaten Beständen, statten wir mit Apps und Schnittprogrammen aus, die Videoaufnahmen und die Aufbereitung von Fernsehbeiträgen gewährleisten. Der technische Fortschritt hat in den vergangenen Jahren so große Fortschritte gemacht, dass auf diese Art und Weise fast ohne Qualitätsverlust produziert werden kann. Wir nutzen hier die Erfahrungen, die wir in allerlei Projekten zum Thema "Mobile Journalism" ("Mobiler Journalismus", eine Unterart des Online-Journalismus, der mit minimalen Mitteln multimediale Inhalte für Nachrichtenportale im Internet produziert) gesammelt haben.

 

Mobile_Ausruestung

 

Kamera, Schnittplatz und Übertragungswagen in einem: Was früher in einem Lastwagen transportiert wurde, passt heute in eine Aktentasche: Notebook, iPhone, Mikrofon.

Uns hilft, dass wir diese Entwicklungen immer sehr zeitnah nachvollzogen und in den vergangenen Jahren im Hintergrund sehr konsequent modernste digitale Arbeitsabläufe eingezogen haben. Darüber hinaus können alle unsere Reporterinnen und Reporter als VJ - sprich: Videojournalist - arbeiten. Sie drehen, schneiden, texten und vertonen ihre Beiträge selbstständig - ohne zwingend ein größeres Team dafür zu benötigen. Natürlich greift man sich in “normalen Zeiten” gegenseitig unter die Arme und hilft aus - diese Möglichkeiten sind während der Corona-Krise jedoch sehr eingeschränkt.

 

Foyer

 

Kaum noch Publikumsverkehr bei RNF: Wir werden viele Interviews künftig per Skype realisieren, um das zu ermöglichen, was führende Virologen fordern: Möglichst wenige soziale Kontakte, zu Hause bleiben.

Daher kann es sein, dass unsere Sendungen künftig anders aussehen als bisher. Vielleicht müssen wir improvisieren, Inhalte anders transportieren als wir - und Sie - es bisher gewohnt waren. Wir sind es gewohnt, in unserer hochvernetzten Zentrale zu arbeiten. Alle Abläufe sind optimal aufeinander abgestimmt, Vieles funktioniert automatisiert, ist auf Schnelligkeit und Effizienz getrimmt. Jetzt müssen Videos via Internet aus den Home Offices überall in der Region in die Sendezentrale transferiert werden. Sie ist nur mit minimal notwendigen Personal besetzt. Während dieser Prozesse sind gewaltige Datenmengen unterwegs. Wir können nicht sagen, ob das immer reibungslos funktioniert. In der Schweiz werden Netzkapazitäten bereits knapp - wir müssen abwarten, wie belastbar das Netz in Deutschland und in unserer Region ist.

Beispiel Regie: Der Regieraum, aus dem all unsere Sendungen gesteuert werden, ist relativ klein. Auf wenigen Quadratmetern arbeiten für die Dauer einer Sendung fünf, manchmal sechs Leute miteinander. Das geht nun nicht mehr, denn es gilt das Gesetz: “Abstand halten!” Wir wollen maximal zwei Leute in diesem Raum haben: Den Regisseur/Bildmischer und den Ton-Ingenieur. Das bedeutet, dass die Positionen der Operateure für Schriften und Grafiken im Bild nicht mehr besetzt sein können. Auch der so genannte “Redakteur vom Dienst”, der die Laufzeiten der Beiträge und Interviews im Blick hält, inhaltliche Entscheidungen trifft und den Teleprompter bedient, hat keinen Platz mehr in der Regie. Das kann dazu führen, dass die Sendungen anders aussehen, Schriften fehlen, Grafiken weniger werden.

 

Regie

 

Der Regieraum ist klein - normalerweise arbeiten hier fünf bis sechs Mitarbeiter*innen gleichzeitig.

 

Regiepult

 

Drei Leute am Regiepult gleichzeitig: auch das darf nicht mehr sein - die Abstände wären zu gering.

 

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Normalerweise wird der Teleprompter aus dem Regieraum bedient - in diesen Tagen nutzen wir dazu die Infrastruktur des Nachbarstudios, um die Personendichte in der Regie zu minimieren.

Beispiel Maske: Maskenbildnerinnen und Moderator*innen arbeiten normalerweise sehr eng miteinander - das liegt in der Natur der Sache. Jetzt nicht mehr. Wir lassen die Maske personell unbesetzt. Wer vor die Kamera muss, legt Make-up und Puder mit Einmal-Utensilien selbst auf. Das kann gutgehen, muss aber nicht. Sehen Sie uns bitte nach, wenn einer unserer Mitarbeiter im Studio im Gesicht möglicherweise etwas glänzt - es ist den Umständen geschuldet und dient der Sicherheit.

 

Maske

 

Die Maske ist personell nicht mehr besetzt: Moderatorinnen und Moderatoren schminken sich selbst.

 

Maskenregeln

 

Die Basis unserer Regeln in Maske: Hände waschen!

Trotz all dieser Widernisse ist unser Ehrgeiz, Sie umfassend und transparent über die Ereignisse in der Region zu informieren - im Fernsehen und im Internet über unsere Webseite RNF.de. Die Zugriffe auf unsere Angebote haben sich in den vergangenen Tagen mehr als verzehnfacht, unsere Redaktion bestückt die Online-Angebote rund um die Uhr. Unsere Dauerkonferenz über die interne Kommunikationsplattform Slack beginnt in den frühen Morgenstunden und dauert bis in den späten Abend - faktisch im Einschichtbetrieb. Die Dichte an relevanten Nachrichtenmeldungen war nie so hoch wie heute, und schnelle und umfassende Information ist wichtig, um die Krise im Griff zu behalten.

In der baden-württembergischen Landesverfügung zur Corona-Krise werden Rundfunk und Presse der so genannten “kritischen Infrastruktur” zugerechnet, neben beispielsweise dem Notfall- und Rettungswesen, dem Katastrophenschutz, der medizinischen Versorgung, der Alten- und Krankenpflege, Regierung, Parlament, Justiz und Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge sowie der Sektoren Energie, Wasser, Informationstechnik und Telekommunikation, Gesundheit, Finanz- und Versicherungswesen sowie Transport und Verkehr. Wir nehmen diese Rolle gerne an.

 

Schnittplatz

 

Einer unserer fünf Schnittplätze: verwaist. Unsere Mitarbeiter*innen produzieren ihre Beiträge vor allem zu Hause. In Ausnahmefällen treffen sie sich im Sender, beispielsweise um gemeinsam Auftragsproduktionen für Kunden zu finalisieren. Die Produktionsmittel werden regelmäßig desinfiziert.

Wie viele Unternehmen treffen auch uns die Rahmenbedingungen der Krise hart: Die Beendigung der Eishockey-Saison, die Absage des Mannheimer Maimarktes, der Maimess, der Stadtfeste in Mannheim und Ludwigshafen etc. bedeuten nennenswerte Ausfälle an Werbeeinnahmen, aus denen wir normalerweise unseren redaktionellen Betrieb bestreiten. Und auch wenn wir zur “kritischen Infrastruktur” gehören - Staatshilfen gibt es deswegen keine. Was wir in diesen Tagen jedoch anbieten können, ist: Reichweite. Über RNF erreichen Unternehmen ihre Konsumenten und Partner, können Botschaften setzen. Dafür haben wir spezielle “Krisenpakete” geschnürt. Wir stellen darüber hinaus unsere Studio- und Produktionsstruktur externen Kunden zur Verfügung, um Webinare, Livestreams, Videobotschaften und ähnliches zu organisieren. Sprechen Sie uns an, am einfachsten über die Email-Adresse werbung@rnf.de - ohne, dass es zwingend um Werbung im klassischen Sinne gehen muss.

Wir sitzen alle im selben Boot. Kommen Sie gut durch die Krise - und bleiben Sie gesund.

Tags: redaktion

Ralph Kühnl

Written by Ralph Kühnl

Journalist, Geschäftsführer

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